Der zweite “Work in Progress”-Kongress, der am 28. Februar und 1. März stattfand und gemeinsam von der Hamburg Kreativ Gesellschaft und Kampnagel veranstaltet wurde, ist zu Ende gegangen. Über 450 Besucher_innen verfolgten am Freitag die Keynote des amerikanischen Soziologen Richard Sennett zur Kunst der Kooperation und die weitere Vorträge und Diskussionen des Tages. Am Vortag besuchten bereits 150 Menschen die Auftaktdiskussion “Neue Arbeit – neue Gesellschaft?” und die Filmvorführung “In dir muss brennen” von und mit Katharina Pethke.
Im Zentrum des Programms stand die Suche nach “Strategien für die Arbeitswelt von morgen”, sei es im Bereich der (kreativen) Arbeitsorganisation als “Komplizen” (Prof. Gesa Ziemer), im modernen Management (Winfried Kretschmer und Elias Barrasch), im Bereich der Bildung bzw. bei der zukünftigen Ausgestaltung der Universitäten (Prof. Stephan A. Jansen) oder beim individuellen Umgang mit zunehmend weniger linear und “bruchhaft” verlaufenden Arbeitsbiographien (Abschlusspodium “Auf Zick-Zack-Kurz durchs Arbeitsleben”). Kontrovers diskutiert wurden ausserdem aktuelle gesellschaftliche Tendenzen wie die Ausbreitung von Praxen des “kollaborativen Konsums” und das Potenzial neuer dezentraler Güterproduktionsformen in Fab Labs und Maker Spaces. Eine ausführlich inhaltliche Dokumentation wird in den kommenden Wochen erarbeitet und über diese Seite verfügbar sein.
Wir bedanken uns bei allen Besucher_innen, Referent_innen, Partnern und Unterstützen und freuen uns auf die Fortsetzung im nächsten Jahr.
13.2.2013
Keynote von Richard Sennett bei "Work in Progress": "The Craft of Cooperation"
Wir freuen uns sehr, für die diesjährige Keynote bei “Work in Progress” den US-amerikanischen Soziologen Prof. Richard Sennett auf Kampnagel begrüßen zu dürfen. Er wird am 1. März 2013 um 10 Uhr zu “The Craft of Cooperation” sprechen.
Richard Sennett auf ist einer der renommiertesten Analysten der modernen Arbeits- und Lebenswelt und des damit einhergehenden sozialen Wandels. Sennett hat in zahlreichen ethnographischen, historischen und soziologischen Studien untersucht, wie Menschen sich ihre Erfahrungswelt erschließen und diese interpretieren, seien es die Städte, in denen sie leben, oder die Arbeit, die sie verrichten.
In seinem Buch »Der flexible Mensch« (1998) kritisierte er die Auswirkungen des modernen Kapitalismus auf den arbeitenden Menschen. In seinem neuesten Werk “Zusammenarbeit – Was unsere Gesellschaft zusammenhält” widmet er sich der Frage, wie moderne, von Ungleichheit und Wettbewerbslogik geprägte Gesellschaften zusammenleben können und plädiert dafür, den Bezug auf Andere und die Schaffung eines Miteinanders wieder als Werte wahrzunehmen und zu fördern.
Sennett lehrt an der New York University und an der London School of Economics.
Foto: Thomas Struth
12.2.2013
Das Verschwinden des Wir's
“Den Sinn finden? Etwas Sinnvolles tun? Wenn um einen herum Arbeitslosigkeit herrscht, wenn man aus Selbstschutz in den 90ern Marx liest, dann finden die Kategorien von Erfolg und Wachstum irgendwie nicht statt. Erkenntnis. Respekt. Anerkennung. All das ja, aber Erfolg? Es ist viel einfacher: Clean Living under difficult Circumstances! – das ist schon schwer genug!”
Armin Chodzinski (*1970) hat Kunst studiert, im Management und in der Beratung gearbeitet, in Anthropogeographie promoviert und gilt als King of the Rahmenprogramm. Bei “Work in Progress” hält er einen Grundsatzvortrag, dabei ist er gut gekleidet und löst sich selten von seinem Textblatt – er würde sonst schreien, stampfen und zucken; macht er aber vielleicht trotzdem.
“Who am I? – Das Wir ist ein Anderes!” – Eine Lecture Performance wie ein D-Zug durch Hoffnungen, Mythen und Begriffe zwischen Kunst, Wirtschaft und dem banalen Leben. Im Gepäck sind Moden, Sehnsüchte, wirre Wege, scheinbare Geradlinigkeiten und Hannah Arendt’s Vita Activa.
23.1.2013
Von Komplizen, Genossen und Kollaborateuren (Teil 1)
Neue Formen der Zusammenarbeit und Kooperation gehören zu den zentralen Themen des diesjährigen Kongresses. Prof. Dr. Gesa Ziemer, Professorin für Kulturtheorie und kulturelle Praxis im Bereich Kultur der Metropole an der HafenCity Universität Hamburg wird uns bei “Work in Progress” das Konzept der “Komplizenschaft“ näherbringen und Ausschnitte aus einem gleichnamigen Film präsentieren, den sie gemeinsam mit Barbara Weber veröffentlicht hat. Eine von ihr herausgegebene Monographie mit Titel “Komplizenschaft. Neue Perspektiven auf Kollektivität” erscheint im Sommer bei transcript.
“Komplizenschaft heisst Mittäterschaft und zeichnet sich aus durch die drei Phasen Entschlussfassung, Planung und Durchführung einer Tat – so das Strafrecht. Aber nicht nur Kriminelle brechen Regeln, sondern auch Kreative, wenn Sie Neues produzieren. Wie kann Komplizenschaft von der negativen in eine konstruktive und lustvolle Arbeitsweise umdefiniert werden? Aufgrund tiefgreifender Transformationen der Arbeitswelt setzen neue Formen von Kollektivierung ein. Komplizenschaft ist ein Beispiel für eine intensive, aber immer temporäre und für eine affektive, aber doch pragmatisch zielgerichtete kollektive Arbeitsweise.”
22.1.2013
Humboldt 2.0 – Bildung, Wissenschaft und Forschung für die neue Arbeitsgesellschaft
“Die Bildung des 21. Jahrhundert wird eine andere sein – nicht nur neu, sondern ursprünglicher. Es wird von Vermittlung auf Ermittlung umgestellt, von Antworten auf ungestellte Fragen auf Fragen an gestelltes Wissen, von Spezialistentum auf spezialisierungsfähigen Generalismus, von exklusiven Eliten auf inklusive Innovation, von Freiheit von Gesellschaft auf Freiheit für Gesellschaft.”
Wir freuen uns Prof. Dr. Stephan A. Jansen, Gründungspräsident und Geschäftsführer der Zeppelin Universität in Friedrichshafen, für einen Vortrag (und ausdrücklich keine Vorlesung!) gewonnen zu haben. Er wird uns berichten, welche Herausforderungen sich durch die Veränderungen der Arbeitswelt für Universitäten ergeben.